Für das automatische Erzeugen von Katalogen, Flyern, technischen Datenblättern, Handbüchern und anderen Print-Unterlagen kommt Desktop-Publishing-Software wie Adobe® InDesign® und Adobe® Framemaker® mit oder ohne Erweiterungen zum Einsatz. Für welchen Database-Publishing-Anwendungsfall ist InDesgin® die bessere Lösung, für welchen Framemaker?
Da wir seit einiger Zeit mit beiden Publikationslösungen arbeiten, möchten wir in diesem Artikel unsere Erfahrungen mit beiden Systemen vorstellen. Und auf Basis dieser Erfahrungen versuchen wir, eine Empfehlung für die Einsatzmöglichkeiten der beiden Varianten abzugeben.
Kurz zur Vorgeschichte:
- Framemaker® setzen wir seit dem Jahr 2000 fast ausschließlich in Verbindung mit Datazone® Miramo® ein, um umfangreiche und z. T. sehr komplexe Kataloge auf Basis einer Datenbank-Ausgabe, idR Oracle, möglichst vollautomatisch zu erzeugen.
- InDesign® setzen wir seit Anfang 2008 in Verbindung mit dem Plugin EasyCatalog von 65bit ein. Produziert haben damit bisher unterschiedliche Kataloge, Flyer und Datenblätter. Der Automatisierungsgrad ist hoch, reicht aber (bisher) nicht an den der Framemaker®/Miramo®-Kombination heran.
Die folgende Tabelle soll helfen, die unterschiedlichen Arbeitsweise der beiden Systeme zu verdeutlichen.
| EasyCatalog & InDesign | Miramo & Framemaker | |
| Preis (alle Preise beziehen sich bei EasyCatalog auf den Neuerwerb von Lizenzen für CS5) | Absolutes Minimum liegt derzeit bei EUR 220,00 (EasyCatalog light). Unsere Empfehlung kostet ca. EUR 1.800,00 (enthalten: EasyCatalog-Vollversion, Pagination- und Relational-Modul, damit kann man ordentlich arbeiten) | Eine Miramo-Lizenz liegt bei ca. EUR 11.000,00 zzgl. Wartung im ersten Jahr iHv EUR 1.500,00 |
| Programmierkenntnisse | Keine erforderlich, soweit man nicht das Scripting-Modul (~ EUR 380,00) einsetzt | Programmierung sollten man können und es auch noch gerne tun. Miramo stellt quasi eine vollständige Programmiersprache zur Verfügung, die für die Erzeugung von Framemaker-Dokumenten genutzt werden kann. |
| Eingabeformate | XML, CSV, beliebige Datenbanken über das ODBC-Modul (~ EUR 150,00 verarbeitet allerdings keine Blobs) | XML, CSV und ODBC |
| Ausgabeformate | InDesign-Dokumente | Framemaker-Dokumente, XML und PDF |
| Usability | Sehr gut bedienbar, gut lokalisiert (für deutschsprachigen Raum). Läuft sehr stabil, auch bei der Verarbeitung großer Datenmengen | Naja, es ist halt ein programmierbarer Preprozessor für Framemaker ohne graphische Oberfläche. Von daher im Prinzip keine Usability vorhanden |
| Automatisierungsgrad | Kann hoch sein, Voraussetzung ist aber, dass das Layout “homogenisiert” worden ist | Bei entsprechender Programmierung kann die Erzeugung, auch sehr komplexer Framemaker-Dokumente, komplett vollautomatisch erfolgen. Das ist der große Pluspunkt von Miramo. |
| Besondere Stärke(n) |
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sehr stark bei der Erzeugung von Fließdokumenten, bei denen problemlos mehrere hundert verkettete Seiten erzeugt werden müssen/können |
Fazit:
- Was für EasyCatalog spricht:
- Für die Produktion von eher kleineren Katalogen (sagen wir mal bis etwa 300 Seiten), Flyern und Preislisten ist unserer Erfahrung nach EasyCatalog gut bis sehr gut geeignet und bietet zudem noch ein sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis.
- Wichtig ist aber, dass zumindest pro darzustellender Artikelgruppe das Layout homogen ist, um den Aufwand und die Komplexität in Grenzen zu halten (bei unbegrenztem Projektbudget spielt das freilich keine Rolle).
- Schon mit CSV-Dateien kommt man in Verbindung mit dem sehr leistungsfähigen Relational-Modul sehr weit, auch ohne Datenbank-Experte zu sein (Grundkenntnisse sind natürlich nützlich und beschleunigen den Entwicklungsprozess der Automatisierungslösung).
- Die Katalog-Automatisierung mit EasyCatalog entfaltet noch einmal völlig neue Einsparungs-Dimensionen, wenn man auf Basis eines bereits mit EasyCatalog produzierten Masterkataloges, zum Beispiel für die Sprache Deutsch, noch andere Sprachversionen erzeugen möchte. Dann braucht man der deutschen Version nämlich nur noch die anderen Sprachen unterschieben. Auch wenn andere Sprachen anders “laufen”, die Anpassungen dafür sind immer noch schneller erledigt, als den kompletten Katalog für Sprache X neu zu setzen.
- Was für Framemaker spricht:
- Auch sehr komplexe Kataloge können mit einem sehr sehr hohen Automatisierungsgrad produziert werden.
- Der mächtigen Programmiersprache von Miramo sind quasi keine Grenzen gesetzt.
- Wenn sich Layout und Daten von Katalogversion zu Katalogversion nicht oder nur geringfügig ändern und damit die Programmierung nicht permanent angepasst werden muss, es sich um einen umfangreichen bis sehr umfangreichen Katalog mit komplexem Satz handelt, wäre Framemaker mit Miramo unser Mittel der Wahl.
Hallo,
vielen Dank für den interessanten Artikel zum Thema: Publizieren mit InDesign und FrameMaker.
Mich würde noch interessieren: Gelten die Aussagen des Artikels für strukturiertes oder unstrukturiertes (ohne xml) Arbeiten?
Grüße vom Bodensee,
Karl-Heinz Berner
Guten Tag Herr Berner,
sowohl EasyCatalog (für InDesign) als auch Miramo (für Framemaker) können XML-Dateien als Eingabefile verarbeiten. Wobei ich jetzt eine Eingabe, die bspw. via ODBC aus einer Datenbank gespeist wird, nicht als unstrukturiert bezeichnen würde, nur weil es kein XML ist.
Was die Verarbeitung von XML-Dateien angeht, kann Ihre Frage also mit sowohl als auch beantwortet werden.
Wie strukturiert oder unstrukturiert die Ausgabe ist, hängt im wesentlichen vom Layout Ihres Ausgabedokumentes ab. Wobei unstrukturiertere Ausgaben mit EasyCatalog leichter zu realisieren sind, da Sie mit Miramo im Prinzip jede “Eventualität” via Programmierung im Quellcode abfangen müssen. Mit EasyCatalog ist es ausreichend, unterschiedliche Paletten und Bibliotheken zu definieren, alles in der Regel ohne Programmieraufwand, und diese dann via Drag & Drop in Ihr InDesign-Dokument zu ziehen.
Beantwortet das Ihre Frage? Falls nicht, bitte nochmals kurze Info, danke!
Beste Gruesse
Ingo Ullrich